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VEREINSCHRONIK September – Dezember 2010

3rd August, 2011

 

In den 80er-Jahren führte ein Journalist mit dem Schriftsteller András Sütő ein Interview, wobei er befragt wurde, wie viele Ungarn seiner Meinung nach in Siebenbürgen leben würden. Zwei Millionen, lautete die Antwort damals, wenn es sich jedoch eines Tages lohnen werde, ein Ungar zu sein, dann werden es drei Millionen sein. Seien wir zuversichtlich, dass die Zeit noch kommen wird, in der sich auszahlt, ein Ungar zu sein. Und diese positive Entwicklung wird nicht nur in Siebenbürgen, sondern auch in Österreich bemerkbar sein.

Aufgrund von Rückmeldungen wissen wir, dass der „Europa”-Club auch in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 gut gearbeitet hat. Zehn gut besuchte Veranstaltungen bestätigen den Erfolg unserer Arbeit. Auf die Gedenkfeier in Deutsch-Altenburg sind wir besonders stolz, denn daran nahmen Ungarn aus der Slowakei, Ungarn und Österreich zahlreich teil.

All diese Veranstaltungen erfordern sehr viel Arbeit seitens der Vereinsleitung und dessen Helfern. Ihnen gilt ein großes Dankeschön dafür. Die Leitung des Vereins ist sich natürlich im Klaren, dass ein gutes Programm nicht ausreicht: Verständnis und Engagement sind ebenfalls unabdingbar für ein erfolgreiches Wirken einer Gemeinschaft.

 

Führen wir nun die Veranstaltungen in chronologischer Reihenfolge an:

 

  1. Am 16. September hielt die Historikerin und Széchenyi-Preisträgerin, Univ.-Prof. Ágnes R. Várkonyi aus Anlass des 275. Todestages von Ferenc Rákóczi II. einen Gedenkvortrag. An diesem Abend trat auch Csaba Nagy, Künstler für Schnabelflöte, mit Kurutzenliedern auf. Ágnes Várkonyi betonte, dass der verbannte Rákóczi immer bis zuletzt ein Fürst geblieben war. Er schied in dem Bewusstsein aus dem Leben, auch nachdem er aufgrund seiner Verbannung entstandenen Erniedrigung in Kauf nehmen musste, dass er bis zum letzten Atemzug die Liebe seines Volkes spüre, und dass diese Liebe im Herzen der Menschen ihm gegenüber immer bestehen bleiben wird.
  2. Zwischen dem 22. und 26. September besuchten wir Westsiebenbürgen ( Komitat Bihar und das Erzgebirge), um uns mit den kulturhistorischen und Naturschönheiten dieser Region vertraut zu machen.

 

Als wir vor 20 Jahren unser Programm „Nationale Pilgerfahrten und landeskundliche Rundreisen“ verkündet hatten, wagte es keiner von uns zu hoffen, dass damit eine langjährige Tradition beginnt. Auf jeden Fall war es unsere Absicht, von diesen Reisen seelisch erfüllt, durch neue Kenntnisse bereichert und in unserer Identität bestärkt nach Wien zurückzukehren. Wir waren immer darum bemüht, in das Programm unserer kulturhistorischen und ethnografischen Rundreisen Intellektuelle und Geistesschaffende vor Ort einzubeziehen und uns mit Vertretern von dort lebenden ungarischen Gemeinschaften zu treffen. In unserem Quartier in Nagyvárad (Oradea) besuchte uns auch Europaparlamentarier und emeritierte Bischof der Ungarischen Reformierten Kirche László Tőkés, der als Auslöser für die rumänische Revolution gilt. Auch über diese Reise wird ein gesonderter Bericht verfasst.

  1. Am 7. Oktober war Mária Wittner, Politikerin, Parlamentsabgeordnete, Heldin und lange Jahre eingekerkerte Kämpferin der Revolution 1956 bei uns zu Gast. In ihrer Erinnerung betonte sie: ganz gleich, welch schöne Schlagwörter an Parteifahnen geschrieben werden: wenn es keine Menschlichkeit in jenen steckt, die die Fahnen halten, entsteht aus jeder Idee Unmenschlichkeit.
  2. Am 16. Oktober besuchten uns Künstler der Budapester Bühne Pódium Színház. Sie führten bei großem Erfolg die musikalische Liebeskomödie Bástyasétány 77 auf. Gibt es einen Ungarn, der die fantastischen Schlager von Mihály Eisemann: A vén budai hársfák, Jaj de jó a habos sütemény, Lesz maga juszt is az enyém, Holdvilágos éjszakán, Maga nős ember, vagy boldog… nicht kennt?
  3. Am 21. Oktober zeigten wir den letzten Dokumentarfilm Pilgerreise zum Eisernen Vorhang des am 24. November 2008 verstorbenen einstigen Redakteurs des Senders Free Europe, Dr. László Juhász. Tapeshwar Nath Zutschi, ein junger Mann aus Indien, war durch die Ereignisse der ungarischen Revolution 1956 derart betroffen, dass er in den Jahren 1958, 1960 und 1961 eine Pilgerreise nach Andau organisierte. Zutschi forderte für das ungarische Volk – den friedlichen Weg Gandhis folgend – Freiheit. Seine Pilgerfahrten ausgehend aus München bekamen eine großes öffentliches Interesse: Zeitungen und Radiosender berichteten darüber. Die Einführung zum Film machte der Regisseur László Balogh. An diesem Abend hatten wir zahlreiche Gäste von Rang aus Ungarn, während in den letzten Reihen in Wien lebende ungarische Jugendliche Platz nahmen, die sich den Film mit großem Interesse anschauten.
  4. Am 24. Oktober trat das Orchester Somos aus dem Széklerland (Siebenbürgen) auf, welches im Monat der Reformation im Jahre 2005 gegründet wurde. Unter Mitwirkung des Sängers und Lautenspielers Zoltán Kátai wurden protestantische Melodien auf Volksinstrumenten gespielt. Diesen Abend haben wir gemeinsam mit dem Seelsorgerdienst der Wiener Reformierten Kirche organisiert
  5. „In Bad Deutsch-Altenburg / Németóvár / fand am 6. November eine ökumenische Trauerfeier zum Gedenken an die Verstorbenen statt. Unter den Anwesenden waren Ungarn aus dem Karpaten-Becken, aus der Slowakei, Österreich und Ungarn. Die Feierstunde erfolgte – nunmehr das sechste Mal – in der von König Stephan der heilige gestifteten Marienkirche, organisiert vom Wiener „Europa“-Club, dessen Vorsitzender Dr. András Smuk ist. Szilvia Mentsik, Vizepräsidentin des Vereins, und Ernest Windholz, Bürgermeister von Bad Deutsch-Altenburg, begrüßten die Teilnehmer in der Kirche. Den ökumenischen Trauergottesdienst zelebrierten der reformierte Seelsorger aus Nagyvárad (Oradea) Dr. József Pálfi, Professor an der Christlichen Universität Partium, die Wiener reformierte Seelsorgerin, Mónika Karvanszky und der evangelische Superintendent aus Mosonmagyaróvár, Miklós Kiss. Ein Programm der Sängerin Kamilla Dévai Nagy aus Budapest und des Chors Georg Hl. aus Dunaszerdahely (Dunaská Streda) trug zur guten Stimmung bei. Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmer in den Friedhofgarten, wo an der von Ungarn in Österreich errichteten symbolischen Grabstätte zu Ehren der gefallenen Ahnen der Oberbürgermeister der Stadt Sopron, Dr. Tamás Fodor der Toten gedachte. Die Teilnehmer der Gedenkfeier zündeten Kerzen an und legten ihre Blumen und Kränze der Pietät nieder. Die Feierstunde wurde vom Wiener ungarischen Kulturverein „EUROPA”-CLUB organisiert, dessen Leitung die mehreren hundert Teilnehmer mit großer Hochachtung empfangen hat, und diese sich wiederum für die aufopfernde organisatorische Tätigkeiten bedankten.“ (Lajos Bierbaum)
  6. Am 19. November führte das Ensemble Miklós Tompa des Nationaltheaters aus Marosvásárhely das Drama Caligulas Statthalter von János Székely auf. Darin ordnet der römische Kaiser Caligula an, seine goldene Statue in der Kirche von Jerusalem aufzustellen. Die unter der römischen Besatzung lebenden Juden organisieren eine Delegation, um Petronius, den Statthalter des Kaisers in Syrien von der Undurchführbarkeit der Verordnung zu überzeugen. Auf der als großes Zelt gestaltete Bühne konnte man eine der besten schauspielerischen Leistungen der letzten Jahre in Wien genießen.
  7. Am Samstag, den 4. Dezember haben wir im Collegium Hungaricum mit dem Märchenspiel Négyszögletű kerek erdő (Viereckiger Rundwald) von Ervin Lázár in der Darbietung des Főnix Színház Kindern aus Wien viel Vergnügen bereitet. Nach der Aufführung kam der Nikolaus aus Märchenland auf Besuch. Er wurde von den zahlreichen Kindern und deren Eltern entsprechend der ungarischen Tradition und in heiterer Stimmung mit Liedern und Gedichten begrüßt.
  8. Am 19. Dezember haben wir die Herbstsaison in gewohnter Weise mit einem Adventskonzert und einem reichhaltigen Büfett abgeschlossen. In der reformierten Kirche der Innenstadt von Wien präsentierte der Gemischte Chor aus Ossiek (Eszék-Rétfalusi Népkör) und die Volksliedersängerin Gyöngyi Újváry aus Ungarn ihr Weihnachtsprogramm. Zunächst in besinnlich-inniger Atmosphäre, später in heiterer Stimmung feierten wir den Advent gemeinsam mit den Mitgliedern der Wiener reformierten Gemeinde. Dank dem päpstlicher Prälat Géza Valentiny konnten wir unsere Mitglieder und Freunde mit Büchern beschenken.

 

Unsere Jahrbücher und unsere Website sind nicht nur ein Spiegel des „Europa”-Clubs, sondern auch ein inhaltsreicher Informationslieferant hoher Qualität für jeden Interessenten.

Der 18. Band unserer Jahrbuchserie sowie der zweite Band der Nemzeti zarándoklatok és honismereti körutak (2000-2010) (Nationale Pilgerfahrten und landeskundliche Rundreisen) sind bereits in Vorbereitung.

Es ist eine wichtige Tätigkeit unseres Vereins, den Kontakt zu Organisationen der ungarischen Minderheit sowie zu Organisationen in Ungarn zu pflegen. Auf diese wichtigen und weit verzweigten Beziehungen sind wir in der Tat stolz und werden sie unverändert sorgfältig pflegen.

Hätte man mehr und alles besser machen können? Wahrscheinlich ja. Wir sind jedoch der Meinung, dass unsere Arbeit den Erwartungen entsprechen konnte, so dass wir uns auch den Aufgaben im Jahre 2011 erhobenen Hauptes stellen können.

 

Wien, 11-01-2011 Dr. András Smuk