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27th Februar, 2011

„EUROPA“-Club

Mit der Gründung des Kulturvereines „Europa“-Club (damals noch „Europa Jugend- Kultur- und Sportverein“ genannt) im April 1964 wurde einem allgemeinen Bedürfnis der damals in Wien lebenden ungarischen Jugendlichen entsprochen. Die nach dem 1956-er Ungarn-Aufstand in Wien und Umgebung wohnhaften Jugendlichen suchten die Gesellschaft im einem ihnen entsprechenden Freundeskreis. Die Integration in die neue Umgebung war – vor allem mangels entsprechender Deutschkenntnisse – mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Erst Anfang der sechziger Jahre begannen die jungen Ungarnflüchtlinge, in der österreichischen Gesellschaft Fuß zu fassen. Die meisten standen in der Ausbildung oder besuchten die Universität bzw. eine Hochschule und lebten in geordneten Verhältnissen. Nichtsdestoweniger wollten viele an ihrem ungarischen Volkstum, an ihrer Muttersprache und Kultur festhalten und diese pflegen. Anfangs war dieser Wunsch eher auf ein elementares Bedürfnis nach Geselligkeit zurückzuführen. Die jungen Leute suchten und fanden sich am leichtesten und in der für sie am besten entsprechenden Weise unter ihren Landsleuten zusammen.

So kam ein Verein zustande, dem es nach einigen Jahren mühsamer Orientierungssuche schließlich gelang, sich solche Zukunftsperspektiven zu setzen, die seinen Bestand bis zum heutigen Tage gewährleisteten. Als geistig-kulturellen Rahmen orientierte er sich am Europa-Gedanken. Zur offiziellen Gründung des Vereines kam es am 17. April 1964 in seinem damaligen Sitz in der Myrthengasse 7 im 7. Wiener Gemeindebezirk. Die Anwesenheitsliste trägt die Unterschrift von 26 jungen Leuten, – die meisten kaum älter als 20 Jahre. Der Verein erhielt den Namen „Europa Jugend-, Kultur- und Sportverein“ und erfreute sich regen Zuspruchs:

In der ersten Hälfte des Jahres 1965 erreichte die Zahl der Mitglieder bereits 150 zwischen 20 und 30 Jahren. Die erste Zeit waren die Interessen der Vereinsmitglieder vorwiegend sportlicher und unterhaltender Natur; erst als i.J. 1967 durch einen Wechsel an der Spitze Studenten und Intellektuelle die Leitung des Vereines übernahmen, kamen in erhöhtem Maße kulturelle Interessen zum Zug.
Im Mai 1967 wurde sogar eine zweisprachige ungarisch-deutsche Zeitschrift unter dem Titel „integratio“ ins Leben gerufen, die bis 1976 regelmäßig erschien. Junge Schriftsteller, die sich um das Blatt scharten (Arno Anzenbacher, Gyula Varga, Attila Csongrády, Ernõ Deák, Horst Haselsteiner, Loránt Surányi), hätte man – nach Wolfgang Borchert – „neue Generation ohne Ankunft“ nennen können.

Am 21. Dezember 1967 nahm der Verein den eleganteren Namen „Europa“-Club an. Da finanzielle Schwierigkeiten in der Folge zu Spannungen zwischen dem Vorstand des Vereines und dem Redaktionsteam der Zeitschrift führten, kam es 1969-70 außer der Herausgabe der 4 Nummern der Zeitung zu keiner weiteren Vereinstätigkeit. Der junge Verein drohte zu zerfallen. Gerade rechtzeitig erhielt er durch eine Reihe junger Leute, die in Burg Kastl (Deutschland) maturiert hatten und nun in Wien mit ihren Studium begannen, Nachschub und neuen Aufschwung.

In den Räumen der „Freien Österreichischen Studentenschaft“ fand er in der Schottengasse 2 im 1. Wiener Bezirk einen neuen Sitz, wo er bis 1976 seine Aktivitäten entfaltete. Hier deponierte er die geistigen Grundlagen seiner Tätigkeit, entfaltete sich zu einem beachtenswerten kulturellen Faktor im ungarischen Leben Wiens. Die Zielsetzung war eine zweifache: einerseits die verschiedenen Altersgruppen angehörenden und die unterschiedlichsten politisch-weltanschaulichen Richtungen vertretenden Ungarn zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen und andererseits den Verein zu einer geistigen Werkstatt zu formen.
Ernõ Deák, der seinerzeitige Präsident des Vereines, formulierte die Zielvorstellung des Vereines mit folgenden Worten:
„Das Unterpfand unseres ungarischen Volkstums ist der europäische Geist; wenn wir uns diesen zu eigen machen, erweisen wir in erster Linie uns selber einen Dienst.“
Im April 1972 initiierte Deák den Zusammenschluß der Vereine unter einer Dachorganisation und legte die Notwendigkeit dar, sie aufeinander abzustimmen. Erst acht Jahre später konnte dieser Gedanke realisiert und der „Zentralverband Ungarischer Vereine und Organisationen in Österreich“ ins Leben gerufen werden. Bereits damals tauchte der Gedanke auf, sich als österreichische Ungarn zu formieren.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß der „Europa“-Club zwischen 1974-1975 eine ungarisch sprachige „Wochenendschule“ betrieb, die regelmäßig von 20-40 Kindern besucht wurde.

Bei der Zusammenstellung des kulturellen Programmes ging man in erster Linie von den Wiener Gegebenheiten aus: Es wurden vorwiegend solche ungarische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle zur Abhaltung von Vorträgen eingeladen, die hier in Wien lebten.

In den vom Innenministerium am 20. Jänner 1974 angenommenen Statutenänderungen heißt es u.a. wie folgt:

Absatz I, § 1: Der Name des Vereines lautet „Europa“-Club, Kulturverein der Ungarn in Österreich.

Absatz II, § 1: Pflege der ungarischen Sprache und Kultur als organischer Teil der gesamteuropäischen Geschichte.

Absatz II, § 2: Der „Europa“-Club entfaltet seine Tätigkeit im Zeichen des Europa-Gedankens mit dem Ziel, wirksam zur Bildung eines integralen mittel-europäischen (pannonischen) Bewußtseins beizutragen.

Absatz II, § 3: Mitwirkung an der europäischen Integration in der Gemeinschaft von freien Völkern auf der Grundlage völliger Ebenbürtigkeit.

Absatz II, § 4: Vermittlung mannigfaltiger Kontakte in den Reihen der Mitglieder. Das Streben nach enger Zusammenarbeit von Österreichern und Ungarn.

Diese Festsetzung der Aufgaben und Ziele zeugt offenkundig von einem starken Reifungsprozeß.

Der andere geistige Vektor des Vereines war stets das unbedingte Festhalten am Geist der 56-er Revolution. Gyula Borbándi, einer der besten Kenner des ungarischen Lebens im Westen, schreibt in seinem Werk „Emigráció és Magyarország“ (Emigration und Ungarn) (1966) wie folgt: „Bis zur Mitte der achtziger Jahre entwickelte sich der „Europa“-Club zum bedeutendsten ungarischen Verein in Wien. Seine regelmäßig abgehaltenen Vortragsabende, Diskussionsrunden, Enqueten und Feiern haben auch über die Grenzen Wiens und Österreichs hinaus Aufmerksamkeit erregt.“

Der „Europa“-Club lehnte bis zum Schluß kompromißlos das kommunistische System ab. Seit der Auflösung des Wiener Ungarischen Vereines im Jahre 1973 bis zur politischen Wende in Ungarn, also 16 Jahre lang, hat er die Gedenkfeiern an den ungarischen Nationalfeiertagen in Wien organisiert. Die größten Kapazitäten der im Westen lebenden Ungarn folgten seiner Einladung, bei solchen Anlässen die Festansprache zu halten. Die hervorragendsten Kenner, Forscher bzw. aktiven Teilnehmer des ungarischen Volksaufstandes standen beim „Europa“-Club vor dem Mikrophon, so etwa Imre Kovács, Tibor Tollas, László Varga, Béla Király, Péter Gosztonyi, Péter Kende, László Juhász, Gábor Kocsis – um nur einige zu nennen. Seit der politischen Wende in Ungarn (1989) begeht er im Rahmen des Ungarischen Zentralverbandes gemeinsam mit den übrigen in Wien etablierten ungarischen Vereinen sowie den Institutionen des ungarischen Staates (Ungarische Botschaft, Collegium Hungaricum) die ungarischen Nationalfeiertage.

Der Verein hatte besonders in den frühen achtziger Jahren mit Problemen zu kämpfen. Kollaborateure warfen dem Vorstand des Vereines vor, haßerfüllte antikommunistische Ideologien bzw. das Gedankengut des kalten Krieges zu verbreiten. In dieser Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß auf Einladung des Vereines Künstler oder andere Gäste aus Ungarn keinen Reisepaß erhielten (z.B. der Volksmusiker Josef Birinyi) oder nach ihrem Auftritt in Wien von der Staatspolizei vorgeladen und einvernommen wurden (z.B. die Künstlergruppe „Forrás Kör“ wegen der Rezitation einiger Gedichte von Gyula Illyés). Trotz dieser Belästigungen durch die Behörden fanden immer mehr Oppositionelle den Weg zum „Europa“-Club und somit auch den Zugang zur westlichen Öffentlichkeit. In den Räumlichkeiten der österreichischen Caritas (Wien I, Annag. 20), wo der Verein ab 1977 seinen Sitz hatte, herrschte rege Aktivität. In dem ehemaligen Palais Erzherzog Karls wurden nicht nur Vorträge und Diskussionsrunden abgehalten, sondern auch Konzerte, Filmabende und Ausstellungen veranstaltet. Bedauerlicherweise wurde das pulsierende Vereinsleben im Frühjahr 1987 für einige Zeit durch die Kündigung des Mietvertrages unterbrochen. Erst nach monatelanger Suche fand der Verein im Herbst 1987 in den Räumlichkeiten des ehemaligen ungarischen Priesterseminars „Pazmaneum“ letztendlich eine ständige Bleibe. Doch die Freude, den Vereinssitz im Pazmaneum etablieren zu können, war nicht ungetrübt: In manchen Kreisen herrschte der Irrglaube, der „Europa“-Club sei mit einem katholischen Verein gleichzusetzen. Aus diesem Grunde kehrten dem Verein etliche Mitglieder den Rücken. Um diesem Problem zu begegnen bzw. um neue Mitglieder zu gewinnen, bemühte sich der Verein – nicht ohne Erfolg -, noch attraktivere Veranstaltungen zu bieten.

Hierbei kam ihm die sich anbahnende politische Wende im Ostblock zugute:
Immer mehr Schriftsteller, Dichter, Künstler und Intellektuelle suchten den Kontakt mit dem Westen und nutzten auch das Forum, das ihnen durch den „Europa“-Club geboten wurde. Die Veranstaltungen verzeichneten hohe Besucherzahlen; führende Persönlichkeiten und Politiker hielten regelmäßig Vorträge. In den Jahren 1982 bis 1989 veröffentlichte der „Europa“-Club zweimal jährlich die Broschüre „Hírmondó“ (Kurier) mit aktuellen Vereinsnachrichten bzw. mit Textbeiträgen zu den diversen Veranstaltungen und Vorträgen.

Anfang der 90er Jahre erfolgte die erste Kontaktaufnahme mit ungarischen Minderheiten in den Nachbarstaaten Ungarns. Es kam zu Zusammentreffen mit Gruppierungen ungarischer Minderheiten in der Slowakei (Preßburg), in Rumänien, in der Ukraine, in Slowenien usw. Die Freude über die Begegnungen war stets ergreifend. Bezüglich der Einladung von Vortragenden aus den Reihen der Minderheiten achtete der Vorstand sorgsamst darauf, daß Vertreter aller ungarischen Minderheiten in Wien zu Wort kommen konnten.

Im Jahre 1990 startete der Verein ein kulturhistorisches Reiseprogramm nach Ungarn und in die Siedlungsgebiete der magyarischen Bevölkerung im Karpatenbecken. In den letzten zehn Jahren wurden 20 Exkursionen organisiert, an denen insgesamt etwa 650-700 Personen teilnahmen. Viermal wurde die Slowakei und Rumänien (Siebenbürgen), zweimal die Karpato-Ukraine, je einmal Slowenien, Tschechien und Südpolen bereist. Sechsmal wurden Fahrten in Kleinregionen Ungarns unternommen. 1995 hat der „Europa“-Club anläßlich einer solchen Exkursion in Beregszász (Beregovo/Ukraine) eine Büste des ungarisch-siebenbürgischen Fürsten Gábor Bethlen aufstellen lassen, 1998 wurde in Brezan (Ukraine) eine vom „Europa“-Club gespendete Gedenktafel des Nationalhelden Fürst Ferenc Rákóczi enthüllt.

Zur Zeit werden vom Verein jährlich ca. 15-20 Veranstaltungen organisiert: Vorträge, Diskussionen, Konzerte, Theater- und Kabarettaufführungen, ungarische Folkloreabende, Weihnachtsfeiern usw. Durch diese regelmäßigen Zusammenkünfte, Veranstaltungen und Gedenktage soll einerseits das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt, andererseits Informationslücken über ungarische Geschichte, Literatur usw. geschlossen werden. Bei der Zusammenstellung des Programmes bemüht man sich, darauf zu achten, daß möglichst viel Interessantes geboten wird.

In den Jahren 1987-1999 wurden vom Verein insgesamt 151 kulturelle Veranstaltungen organisiert, wobei 311 Personen auftraten. Zu den Veranstaltungen werden jeweils 750 Einladungen verschickt, denen etwa 10-20 % der angeschriebenen Personen Folge leisten. Erfahrungsgemäß werden Programme mit hohem Unterhaltungswert besser besucht als Vorträge mit rein wissenschaftlichem Charakter.

Der „Europa“-Club ist einer der Gründungsvereine des „Zentralverbandes Ungarischer Vereine und Organisationen in Österreich“ (1980). Seine Mitglieder bekennen sich als österreichische Ungarn.

Nahezu 30 Jahre lang wurde der Club lediglich aus den Mitgliedsbeiträgen sowie aus Spenden finanziert; erst seitdem die in Wien und Umgebung lebenden Ungarn in Österreich als Teil der ungarischen Volksgruppe anerkannt sind (seit 1992), erhält der Verein auch aus den Mitteln der Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramtes finanzielle Unterstützung. Seit demselben Jahr bringt der „Europa“-Club in einer Auflage von 1000 Stück alljährlich ein Jahrbuch heraus, das die Texte der Vorträge und Veranstaltungen des vorangegangenen Jahres beinhaltet.

Als ihre wichtigste Aufgabe für die Zukunft erachtet die Vereinsleitung die Integration der Jugend in das Vereinsleben.