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September – Dezember 2015

17th Januar, 2016

VEREINSCHRONIK

September-Dezember 2015

10. September 2015   Ungarn in der westlichen Diaspora

Auf Einladung des „Europa”-Clubs hat der zweifache Széchenyi-Preisträger, der ungarische Arzt, Szilveszter Vizi E., an diesem Tag, im Wiener Collegium Hungaricum einen Vortrag gehalten. Das Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften berichtete in seinem Vortrag Ungarn in der westlichen Diaspora über die Lage der ungarischen Diaspora im Ausland einst und heute. Darüber hinaus verwies er auf große Kapazitäten des 20. Jahrhunderts, auf herausragende ungarische Vertreter von Wissenschaft und Kultur.

. Der Vortrag interessierte viele in Wien lebende Ungarn, denn der Vortragende ging auch darauf ein, wie die Ungarn, die in den historischen Stürmen des 20. Jahrhunderts in den Westen, nach Nord- und Südamerika, Australien, Israel, Südafrika sowie in die westliche Hälfte Europas ausgewandert, ausgesiedelt, verbannt waren oder geflüchtet waren, ein Fünftel der ungarischen Nation bilden. Seines Erachtens besteht die ungarische Diaspora im Ausland aus 2,5 Millionen Menschen, von denen Hälfte schon nicht mehr der ungarischen Sprache mächtig ist. Daher hob er die Wichtigkeit der Pflege der Muttersprache, der Kultur und der Wurzeln hervor, die in Bezug auf die Zukunft der Diaspora unerlässlich ist.

Die muttersprachliche Betreuung der in der westlichen Welt lebenden ungarischen Diaspora bedeutet besondere Aufgaben; da wir auf diesem Gebiet mit sehr fern liegenden und zumeist kaum noch existierenden Gemeinschaften rechnen müssen. Die traditionellen ungarischen Gemeinschaften in Amerika, Südamerika und Australien schmelzen nämlich sehr schnell dahin, während vor allem in den westeuropäischen Ländern neue Gruppen der ungarischen Diaspora entstehen. Laut Erhebungen gingen seit den 90er-Jahren mehrere zehntausend ungarische Arbeitskräfte nach Deutschland und Österreich. Man muss auch damit rechnen, dass ein immer kleinerer Teil der Ungarn oder der aus Ungarn Gebürtigen in der westlichen Welt ungarisch spricht.

Diese Menschen sind zugleich auf irgendeine Weise mit der Heimat ihrer Ahnen, mit der ungarischen Kultur, der ungarischen Musik, der Volkskunst und dem Tanz verbunden, überhaupt interessieren sie sich für die im Karpatenbecken lebenden Ungarn. Es wäre keinesfalls richtig, auf sie zu verzichten, im Gegenteil: Man müsste dafür sorgen, dass sie auch ohne nähere Kenntnis der ungarischen Sprache Ungarn bleiben und ihr Ungartum in ihrer persönlichen Identität eine Rolle spielt”, sagte Professor Szilveszter Vizi E.

Als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Freunde Ungarns informierte er in Wien auch über die Non-Profit-Stiftung, deren Tätigkeit ausschließlich auf internationalen Privatspenden basiert und sich als wichtigstes Ziel die Versorgung der im Ausland lebenden Ungarn mit Informationen stellt.

17. September 2015   Buchpräsentation Tünde Zsuffa: Engel in der irdischen Hölle

Der Roman stellt mit großer Sensibilität die historische Periode des Zweiten Weltkrieges bis zur Niederschlagung der Revolution 1956 dar. Das Werk füllt heutzutage auf jeden fall eine Lücke, denn ein in Österreich geschriebenes belletristisches Werk über diese historische Epoche kann man nur höchst selten lesen.

Gäste der Buchpräsentation waren unter anderen die Kossuth-Preisträgerin und Schauspielerin Anna Kubik, der Direktor des heuer sein 25jähriges Jubiläum feiernden

Verlags Antológia (der den Roman herausbrachte), Sándor Agócs, sowie der Historiker Dr. Csaba Szabó.

Sándor Agócs erklärte, dass er die Schriftstellerin während der Präsentation ihres ersten Buches (Paprika rummal/Paprika mit Rum) am 6. Dezember des Vorjahres kennen lernte, die ihm daraufhin das Manuskript des jetzt präsentierten Romans zukommen ließ. Er würdigte die Autorin mit folgenden Worten: „Nachdem ich das Manuskript durchgelesen hatte, wusste ich schon, dass wir es herausgeben werden. Es schnürte mir die Kehle zu. Mir standen die Tränen in den Augen, Bücher dieser Art werden heutzutage nicht geschrieben. Auch aus diesem Grunde stand ich zu ihr, schon gleich zu Beginn…Ich wage zu behaupten, dass Tünde Zsuffa mit diesem Band – nach ihrem Buch Paprika mit Rum endgültig ihre schriftstellerische Handschrift gefunden hat.

Tünde Zsuffa hob hervor, warum es ihr wichtig war, diese Geschichte zu Papier zu bringen. „Seit meiner Kindheit weiß ich, dass Beurteilung und Darstellung der ungarischen Geschichte im 20. Jahrhundert, der Horthy-Ära, des Zweiten Weltkrieges, der Revolution ’56 und der Jahre der Vergeltung voller Halbwahrheiten ist. Und eine Halbwahrheit ist nicht die Hälfte der Wahrheit, sondern eine Lüge. Auch heute wird nur die eine Hälfte vieler Ereignisse beschrieben, die andere Hälfte wird bewusst verschwiegen. Das kann aber sogar zur Deformierung, und dann zur Zerstörung eines Landes führen.”

Die Schriftstellerin reihte die wichtigen historischen Ereignisse um die Hauptheldin des Romans Antónia Balázsovich, die Tochter des Leibgardenkommandanten Miklós Horthys auf. Durch ihre Figur wird der Menschentyp der Epoche dargestellt. (Tünde Miklós)

24.-28. September 2015   Kunsthistorische Reise nach Sizilien – auf den Spuren

ungarischer Gedenkstätten

Sizilien ist eine der größten Inseln des Mittelmeeres. In dieser Region Italiens mit einem Sonderstatus leben fünf Millionen Menschen. An den von Garibaldi geführten Kämpfen des Risorgimento nahmen zahlreiche Landsleute von uns tapfer teil. Ihre Gedenkstätten suchten wir unter der Führung des Generaldirektors des ungarischen Nationalmuseums und Historikers Dr. László Csorba auf. Dabei kamen aber auch sonstige Sehenswürdigkeiten in unserem Programm nicht zu kurz.

Den Ausflug begannen wir mit der Besichtigung des Archäologischen Parks in Siracusa und setzten ihn in den winkeligen Gassen der Altstadt fort. Am nächsten Tag erwiesen wir der Büste Sándor Petőfis in der Vorhalle der städtischen Bibliothek die Ehre und überreichten der Leitung der Bibliothek zwei Tafeln – eine mit italienischer und eine mit ungarischer Erklärung -, die zu beiden Seiten der Büste an der Wand angebracht werden.

In Vittoria bestand eines der bedeutendsten ungarischen Kriegsgefangenenlager. Die Ungarische Kapelle, die über den Grabstätten von 118 ungarischen Soldaten errichtet wurde, ist ein großartiges Denkmal, während in einer wiederhergestellten Baracke 1995 das Museum für Italienisch-Ungarische Militärgeschichte eröffnet wurde.

In der Kathedrale von Palermo bewunderten wir den Marmorsarg der Königin/Kaiserin Konstanze von Aragonien, der aus einem römischen Sarkophag umgestaltet wurde. Sie war Gemahlin des Königs Emmerich, des Sohnes von Béla III.

Bei der Belagerung Palermos am 27. Mai 1850 standen die Freiheitskämpfer Garibaldis unter der Führung des aus Kőrősladány gebürtigen Lajos Tüköry, der an den Folgen seiner Verwundungen während dieser Aktion starb. Eine Kaserne und eine der bedeutendsten Hauptstraßen Palermos (Corso Tukory) sind nach ihm benannt. Seine Grabstätte befindet sich in der Kirche San Domenico, im Pantheon sizilianischer Helden. An der neun Meter hohen Gedenksäule zu Ehren der ungarischen Kriegsgefangenen im Friedhof Rotoli in Palermo legten wir einen Kranz nieder. Wir suchten die „Perle” Siziliens, Taormina, auf, wo wir das Antike Griechische Theater bewundern konnten, das auch den ungarischen Maler Csontváry inspirierte. Zum Schluss bestiegen wir eine Seite des Vulkans Ätna, um die Spuren des letzten Lavaausbruchs aus der Nähe betrachten zu können. (Dr. József Tarjányi)

8. Oktober 2015   Bühnenspiel Hűség/Treue

Die gemeinsame Veranstaltung mit dem Balassi-Institut (Collegium Hungaricum) erfreute sich einer großen Teilnahme: Unser Gast war unter anderen Pál Csáky, Abgeordneter des Europaparlaments. Ein besonderes Moment bestand diesmal darin, dass das oben genannte Bühnenspiel auf seinem Kurzroman Pacsirta éneke(Das Lied der Lerche) basiert.

Das Programm „Glaube und Treue – historischer Rückblick 1889-1989” stellt in dramatisierter Form die fünf Generationen übergreifende Geschichte einer Familie aus dem früheren ungarischen Oberland (der heutigen Slowakei) dar und umfasst alle wichtigeren Elemente, die diese Gemeinschaft in den vergangenen 150 Jahren durchlebte. Zeitgenössische Musikeinlagen, gewisse typische Kostümzubehöre und Filmmitschnitte machten die Aufführung noch authentischer, aufregender und unterhaltsamer.

Das Stück mit drei Darstellern spielten der mit dem Kossuth-Preis ausgezeichnete Schauspieler Imre Boráros seine Frau Anna Petrécs sowie Péter Tarics.

Nach der Aufführung haben viele Zuschauer das Buch von Pál Csáky gekauft, das er gern mit seiner Widmung versah. (Béla Koleszár)

12. Oktober 2015   László Zichy: Hungarologische Kenntnisse – ungarische Identität

Wieder in ziemlich hoher Anzahl versammelten sich das Publikum zum Vortrag des Politologen, der aktuelle brennende Probleme behandelte, wie die Judenfrage und die Migrantenwelle.

Man wird nicht dadurch reich, was man dem Land nimmt, sondern dadurch, was man hinzutut. Wir müssen nicht in die Vergangenheit zurückkehren, sondern auf die Wurzeln der Vergangenheit aufbauend jene Geistigkeit finden, die in der Mittelklasse und in der Bauernschaft vorhanden ist. Es gilt, die verbindenden Elemente zu finden, die die Gesellschaft schöner machen, sagte der Vortragende.

Am Ende des Referats hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die sie am meisten beschäftigen, und Antworten des Politologen zu erhalten. (Tünde Miklós)

23. Oktober 2015   Festveranstaltung in Wien zu Ehren der Revolution 1956

Dr. András Smuk, Vorsitzender des „Europa”–Clubs, begrüßte die Gäste, insbesondere Botschafter Dr. János Perényi, den Gesandten Dr. Gábor Hajas und seine Gattin Mag. Mária Molnár, Direktorin des Collegium Hungaricum, sowie Vertreter der ungarischen Organisationen, Kirchen und der Presse. Mit großer Hochachtung begrüßte er den Redner des Abends, den ehemaligen Außenminister Dr. Géza Jeszenszky, den er dem Publikum vorstellte. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass der „Europa”-Club diesen Abend im Namen der beiden erwähnten Gipfelorganisationen (des Runden Tisches der Ungarischen Organisationen in Österreich und des Zentralverbandes) organisieren konnte. Zum Schluss seiner Rede unterstrich er seine Hoffnung, dass diese herausragende Initiative in den kommenden Jahren zu einer edlen Tradition werden könne.

Anschließend hielt Botschafter Dr. János Perényi sein feierliches Grußwort, in dem er die Revolution von 1956 als historisches Ereignis bezeichnete, das die Wurzeln des Ungartums betrifft. Ungarn ist ein kleines Land, aber eine große Nation, – sagte der Botschafter.

In Vertretung des Zentralverbandes verlas Dr. Andrea Seidler (Mitglied der Leitung) einen Brief des Vorsitzenden József Hollós. anschließend sprach im Namen des Runden Tisches der Ungarischen Organisationen in Österreich und dessen Vorsitzenden Christoph Hartig der Vizevorsitzende István Radda zu den Versammelten.

Nach den Festansprachen folgte ein Programm der klassischen Musik: Klára Visky

(Violine), Dimitris Mousouras (Violine), Gabriela Hinrichs (Bratsche) und Anna Wolf (Violoncello) spielten den III. Satz, Adagio, des Streichquartetts in Es-Dur von Schubert.

Nach der ergreifenden Musik stand der Historiker, Politiker und Diplomat, Außenminister der Antall-Regierung, Univ. Prof. Dr. Géza Jeszenszky, auf dem Podium und erinnerte sich an den Tag des Ausbruchs der Revolution. Als 15jähriger war er auf allen wichtigen Schauplätzen zugegen. Er ging ausführlich auf die Gründe ein, die die Revolution und den Freiheitskampf 1956 ausgelöst hatten, ferner auf die Kette von Ereignissen und die Zusammenhänge mit weltpolitischen Geschehnissen, und stellte in seiner Rede die Frage: „Hätte es anders geschehen können?” Er hob ferner hervor, dass es immer weniger Menschen geben wird, die an den festlichen Jubiläen die Zuhörer als Zeugen ansprechen können, die die Revolution auch selbst erlebten. Es ist sehr wichtig, dass diese Menschen den ihnen folgenden Generationen überliefern: „1956 war ein Ereignis, das die Weltgeschichte formte, daher sollten wir es nicht nur aus reinem Pflichtbewusstsein feiern.”

Während der Feierstunde hielten Mitglieder der István Széchenyi Pfadfindergruppe Nr. 72. Ehrenwache. Dann folgte der zweite Teil des Musikprogramms, mit dem I. Satz, Allegro Moderato, des Streichquartetts. Mit dem gemeinsamen Gesang des Mahnrufes (Szózat) und der Nationalhymne ging die Gedenkfeier zu Ende. (Tünde Miklós)

26. Oktober 2015   Feierliche Kranzniederlegung in Jánossomorja und

Mosonmagyaróvár

Eine feierliche Kranzniederlegung fand am 26. Oktober 2015 in Jánossomorja und Mosonmagyaróvár zu Ehren des 59. Jahrestages der Revolution und des Freiheitskampfes 1956 am Schauplatz der Gewehrsalven auf Zivilisten statt.

Die Mitglieder des Europa-Clubs trafen am Holzdenkmal in Jánossomorja mit dem Bus ein. Auf dieser Straße, an der dieses Denkmal steht, flüchteten 1956 Tausende in Richtung des österreichischen Dorfes Andau/Mosontarcsa. Die Feierlichkeit fand bei schönem, sonnigem Wetter statt. Zunächst begrüßte Klára Lackner-Fördős, Direktorin des Kulturhauses und der Bibliothek Bálint Balassi die Anwesenden, dann ging György Lőrincz, Bürgermeister von Jánossomorja, auf die damaligen Ereignisse ein. Dr. András Smuk, Vorsitzender des Europa-Clubs, der auch selbst aus Jánossomorja stammt, verließ damals das Land als Kind mit seiner Familie auf einem Fuhrwerk.

Rat Dr. Iván Csobánci-Horváth, leitender Konsul der Botschaft Ungarns in Wien, erinnerte in seiner Festrede an die Flüchtlinge und die zu Hause Verbliebenen.

Der Auftritt des Wiener Franz-Liszt-Chors und die Rezitation des László-Nagy-Gedichtes Kinek fáj emberek? (Wem tut’s weh, Leute?) durch den Direktor und Chefregisseur des Soproner Petőfi-Theaters, András Pataki, trugen zur Festlichkeit des Programms bei.

Nach den Kranzniederlegungen, der Nationalhymne und dem Mahnruf gab der Bürgermeister von Jánossomorja für die Teilnehmer der Feier im Kulturhaus einen Empfang. Anschließend ging es für die kleine Delegation des „Europa”-Clubs nach Mosonmagyaróvár, wo die Stadt und viele Organisationen der Opfer der Salven mit einem schönen Programm, der „Europa-Club mit seinem Kranz gedachte. (Péter Szőke)

28. Oktober 2015   Einweihung einer Gedenktafel für den Romancier Mór Jókai im Gebäude der Europäischen Mittelschule in Oberwart

Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Europäischen Mittelschule in Oberwart, des Gemeinnützigen Vereins für Ungarische Andenken in der Welt, Magyar Emlékekért a Világban Közhasznú Egyesület, Budapest und des „Europa”-Clubs Wien wurde eine dreisprachige Gedenktafel für Mór Jókai (in Ungarisch, Deutsch und Englisch) in der Aula der Schule – gespendet durch den „Europa”-Club – eingeweiht. Aus diesem Anlass stellte der Verein aus Tableaus eine Ausstellung über das Leben Jókais zusammen. Auch die Schule wartete mit einer Ausstellung auf, die aus Jókai-Büchern und Illustrationen zu Jókai-Romanen bestand, die die Schüler selbst gezeichnet hatten. Interessant und zugleich rührend war eine kurze Theatervorstellung der Schüler, in der die Kinder einen Auszug aus dem

Roman Ein Goldmensch in ungarischer Sprache vortrugen.

An der Feierstunde nahmen Lehrer und Schüler der Schule teil. Der Direktor der Schule, Dr. Mag. Nikolaus Schermann, hielt eine Rede, die zum Nachdenken anregte. Die Schule tut sehr viel für die Erhaltung der ungarischen Kultur im Burgenland.

Der Vorsitzende des Gemeinnützigen Vereins in der Welt, Dr. Miklós Messik, hielt einen Lichtbildvortrag über Andenken im Zusammenhang mit Mór/Maurus Jókai. Margit Urbanetz-Vig, Wiener Violinkünstlerin aus Kaposvár, spielte Werbung-artige Werke von Lavotta, Csermák und Bihari. Diese weniger bekannten Komponisten waren bedeutende ungarische Persönlichkeiten der Reformzeit. (Péter Szőke)

7. November 2015   Kranzniederlegung, verbunden mit einer ökumenischen

Gebetsstunde in Bad Deutsch-Altenburg

Dieses nun traditionelle Programm veranstaltete der „Europa”-Club – wie auch schon früher – unter Beteiligung der Nachbarstaaten. Die symbolische Grabstätte, die die nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierten Ungarn errichtet hatten, wurde jahrzehntelang von der örtlichen Selbstverwaltung gepflegt. Vor etwa zehn Jahren hat der Wiener „Europa”-Club diese Aufgabe übernommen. Die vom Heiligen Stephan gestiftete Kirche war auch in diesem Jahr gefüllt. Nach dem Grußwort von Dr. András Smuk sprachen Dr. Hans Wallowitsch, Bürgermeister von Bad Deutsch-Atenburg, sowie Dechant Pavel Balint, katholischer Seelsorger. Die Gebetsstunde wurde vom katholischen Priester Tamás Molnár, der reformierten Seelsorgerin Mónika Karvansky und dem evangelischen Dechant Miklós Kiss zelebriert. Anschließend hielt der griechisch-katholische Bischof Szilárd Keresztes – mit Rücksicht auf die unsichere Witterung – noch in der Kirche eine Festansprache. Die Versammelten folgten aufmerksam den Gedanken des Bischofs. Für die musikalische Umrahmung des festlichen Ereignisses sorgten der Gemischte Chor Híd aus Jánossomorja und das Violinspiel von Margit Urbanetz-Vig. Danach zog die Gemeinde unter Fahnen zur Grabstätte und legte ihre Kränze vor dem Holzdenkmal nieder. Die Feierlichkeit ging zum einen mit dem Gesang des Mahnrufes, zum anderen mit dem Empfang der Botschaft Ungarns im Theatersaal des Heilbades zu Ende. (Péter Kotsis)

10. November 2015   Benefizkonzert in der Botschaft Ungarns in Wien

Das großangelegte Konzert zielte darauf ab, die Kosten für die in Bad Deutsch-Altenburg aufzustellenden Büste des Heiligen Stephan decken zu können, die durch die Spenden auch zusammenkamen. Nach der Legende hatte König St. Stephan in Bad Deutsch-Altenburg/Németóvár eine Kirche errichten lassen, auf deren Ruinen die gegenwärtige, von einem Friedhof umgebene Marien-Kirche in romanisch-gotischem Stil entstand. Die Büste wird in einer von der Ortschaft gestalteten Parkanlage vor der Kirche und dem Friedhof in feierlichem Rahmen am 21. Mai 2016 enthüllt.

Botschafter János Perényi und der Vorsitzende des „Europa-Clubs András Smuk eröffneten die Veranstaltung. Unter den auftretenden Künstlern des Benefiz-Galaabends befand sich die Volksliedersängerin Laura Faragó, Trägerin des Preises Ungarisches Erbe, die das Konzert mit authentischen ungarischen Volksliedern eröffnete. Für ein niveauvolles Programm sorgten weitere namhafte Künstler: Sándor Jávorkai (Violine), Margit Urbanetz-Vig (Violad`amoré), Christoph Urbanetz (Viola da Gamba), Ádám Jávorkai (Violoncello), Zsuzsanna Aba-Nagy (Harfe), Henter Nicole (Flöte), Ulrich Manafi (Klarinette) und Veronika Trisko, die sie am Klavier begleitete. Ágnes Katona, Leiterin der Internationalen Donau-Philharmonie, stellte das anspruchsvolle Programm zusammen, in dem Werke von Béla Bartók, Vittorio Monti, H. W. Ernst, Diego Ortiz / Mária Vermes, Carl Friedrich Abel, Nicolo Paganini und Franz Doppler sowie weitere ungarische Volkslieder zu hören waren. An diesem Abend wurden das Werk ‚Életfa’ (Lebensbaum) der mit dem Munkácsy-Preis ausgezeichneten bildenden Künstlerin Éva Mayer (Jánossomorja) sowie das Buch Fliessende Grenzen in Centrope. Das „grüne Herz Mitteleuropas. (Úszó határok Centrope-ban) von

Hans Peter Graner in mehreren Exemplaren als Spende zum Kauf angeboten. Durch den Abend führte in deutscher Sprache László Sas.

Nach dem Konzert gab die Botschaft einen Empfang. (Sas László)

05. Dezember 2015   Nikolausabend

Der Nikolausabend gehörte schon 2014 zu den traditionellen gemeinsamen Veranstaltungen von AMAPED und „Europa”-Club für die Ungarn in Österreich, die die meisten Menschen (unter ihnen sehr viele Kinder) im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung setzte. In diesem Jahr nahmen an dem Nikolausabend auch Mitglieder der István-Széchenyi-Pfadfindergruppe Nr. 72. teil, die neben den Pädagogen von AMAPED und den Mitgliedern des Elternvereins auch bei der Abwicklung der Veranstaltung mithalfen.

Für die Moderation zeichnete Szilvia Mentsik verantwortlich, die das Publikum sowohl im Namen von AMAPED als auch des „Europa”-Clubs begrüßte.

Als Erster trat der Musikclown Francesco auf, dann führte eine aus Schauspielern des Nationaltheaters Győr bestehende Bühnengruppe das Stück „Mikulás-família(Die Nikolaus-Familie) auf, wobei viele Kinder in die Vorstellung mit einbezogen wurden. Mit ihrer wirksamen Hilfe wendete sich schließlich alles zum Besten: Es kam der Winter, es schneite und Geschenke gab es auch…

Am Ende des Programms konnte sich jedes Kind über ein Nikolauspäckchen freuen. (Béla Koleszár)

13. Dezember 2015   Gottesdienst und gemeinsame Weihnachtsfeier

Am dritten Adventsonntag war die reformierte Kirche im ersten Wiener Gemeindebezirk voll. Die in ihren Gedanken vertieften Menschen auf den Bänken bereiteten sich seelisch schon auf die bevorstehenden Feiertage vor. Diese Ruhe, die mit erwartungsvoller Spannung durchwobene Stille, tat einem gut nach dem nach Zimt duftenden Rummel der Großstadt.

Den genau um 5 Uhr beginnenden Gottesdienst zelebrierte die reformierte Seelsorgerin Mónika Karvansky. Die Kirchenlieder während der heiligen Messe waren in der Darbietung des Gesangsensembles László Halmos aus Mosonmagyaróvár zu hören.

Das Gesangsensemble wurde im Oktober 1989, als Musiksektion des Kulturvereins von Mosonmagyaróvár gegründet. Den Namen von László Halmos (der in Győr gelebt hatte) nahm es 1991 an, noch mit der Zustimmung des betagten Meisters. Im Repertoire des Ensembles sind vor allem Werke mit kirchlichem Charakter zu finden, denn es hat in erster Linie die Möglichkeit, in Kirchen aufzutreten. Das Gesangsensemble nimmt jede Einladung gern an, wo es je ein Meisterwerk der Chorliteratur aufführen kann, das ihren Prinzipien und Zielen gerecht wird.

Als Teil der Adventmesse richtete der Piaristenpater István Farkas, pensionierter Direktor der Grund- und Oberschule der Piaristen in Mosonmagyaróvár, eine zum Nachdenken veranlassende, herzergreifende Rede an die Versammelten.

István Farkas maturierte 1967 im Piaristengymnasium in Kecskemét, trat im August in den Piaristenorden ein und legte 1975 dort sein Gelöbnis für die Erziehung der Jugend ab. Im Mai 1976 wurde er zum Priester geweiht. Für den Unterricht des katholischen Glaubens, die Schaffung und Betreuung der Gemeinschaften, den unermüdlichen und liebevollen Dienst am Glaubensleben zeichnete ihn der damalige stellvertretende Ministerpräsident Tibor Navracsics mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn aus.

Die Weihnachtsfeiern meiner Kindheit gehören zum Fundament meiner Persönlichkeit. Je mehr Jahre dahingehen, umso wichtiger ist es für mich, im Advent zum Geheimnis von Weihnachten zurückzufinden. Wenn das ausbleibt, wird für mich das Wort Albert Einsteins Wirklichkeit: „Wer das Geheimnis nicht mit stillem Erstaunen bewundern kann, ist seelisch tot (…).

Den Wert und die Kunst des Schenkens lehrt uns Gott, als er uns zu Weihnachten im Kind von

Betlehem nichts weniger als sich selbst schenkt. Vor der Krippe von Betlehem kniend gelobe ich, meine Liebe ist nicht falsch. Ich spare mich selbst nicht aus meinen Beziehungen aus”, sagte der Pater in seiner Rede.

Während der Messe konnten wir uns mehrfach an der Orgelmusik erfreuen, auch das aktuelle Endre-Ady-Gedicht: Karácsonyi rege (Weihnachtssage) wurde rezitiert. Anschließend konnten wir die Mitglieder des Gesangsensembles kennen lernen, die uns ein wahres Festkonzert bescherten.

Als Abschluss sprach noch der Vorsitzende des „Europa”Clubs, András Smuk. Er hob hervor, dass die Organisation ein an Veranstaltungen reiches, freudvolles Jahr 2015 zu verzeichnen hat. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Jahr 2016 ähnlicher erfolgreich sein wird und wir uns oft versammeln können, um wertvolle Zeit miteinander verbringen zu können. Dann lud uns Mónika Karvansky in den kleinen Raum ein, wo wir uns bei Erfrischungsgetränken und dem traditionellen Weihnachtsgebäck „Bejgli” (mit Nüssen und Mohn gefüllte Teigrollen) unterhielten. Mit friedlicher, feierlicher Seele verabschiedeten wir uns voneinander am Abend des dritten Adventsonntags. Allen Organisatoren gebührt dafür ein großes Dankeschön.