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September – Dezember 2014

1st Februar, 2015

VEREINSCHRONIK 2014

September – Dezember

 

Die Programmreihe des Wiener Vereins „Europa” – Club, der über 50 Jahre Erfahrung verfügt,  haben wir für den Herbst und Winter mit dem Ziel zusammengestellt, die ungarische Kultur den Menschen so nahe wie nur möglich zu bringen und besonders durch die Organisation der Nationalfeiertage die Wahrung des Ungar-Bewusstseins zu fördern. Wir waren bemüht, unter Nutzung der früheren Erfahrungen Programme zu organisieren, für die es tatsächlich  Bedarf bei den Wiener Ungarn gibt.

 

  1. Am 11. September  gab es den Vortrag von György Hefty aus Anlass des 25. Jahrestages  der Grenzöffnung mit dem Titel „Als die Weltpolitik in Budapest Station machte”. Das Herbstprogramm begann mit dem Thema eines nicht nur symbolisch, sondern für viele auch in Wirklichkeit  schicksalhaften Ereignisses, und zwar mit dem ausführlichen Bericht des in Deutschland lebenden Journalisten ungarischer Abstammung Dr. György Hefty über die hautnah erlebte Grenzöffnung 1989 in Ungarn. György Hefty, der im ungarischen Gymnasium von Burg Kastl maturierte, konnte als in Budapest akkreditierter Journalist der Frankfurter Allgemeine Zeitung die ungarischen politischen Geschehnisse aus dem Parlament verfolgen. Wir, die nur durch die öffentlich-rechtlichen Medien über die eingetretenen und im Gange befindlichen Ereignisse erfuhren, wussten vom ganzen Abbau des Eisernen Vorhanges nur so viel, dass die Delegierten beider Regierungen, Gyula Horn und Alois Mock, mit einer großen Drahtschere den Stacheldraht durchschneiden und mit diesem Akt in das große Geschichtsbuch der Welt eingetragen werden als zwei Helden, die für die Freiheit eintreten. Die beiden Politiker spielten in der Entscheidung der Grenzöffnung in Wirklichkeit keine unmittelbare Rolle. Die Regierungsentscheidung über die  Abschaffung des Eisernen Vorhanges war in Wirklichkeit acht Wochen davor gefällt worden, dass das Horn-Mock-Duo sie vor den Kameras spielte. Kaum jemand von uns hatte oder hat Einblick hinter die Kulissen der ungarischen Politik, in die Tätigkeit des Reformflügels der kommunistischen Partei und in die Art und Weise, wie die dem Zweiten Weltkrieg folgende gesamte kommunistische Diktatur von innen heraus zusammenbrach. Der Vortrag György Heftys am 11. September im Collegium Hungaricum Wien erläuterte objektiv, fast spürbar all jene Hintergrundinformationen, die man nur mit intensivem Journalismus zusammentragen kann. Schon jetzt empfehle ich allen Interessenten, unser 2015 erscheinendes nächstes Jahrbuch in die Hand zu nehmen, in dem der Text des Vortrages im Wortlaut veröffentlicht wird. (Endre Kautny)

 

  1. Am 20. September  wurde das Stück Lola Blau von Georg Kreisler aufgeführt. In der Rolle der Lola Blau war die Schauspielerin Boróka Bartha  zu sehen, der Regisseur des Musikstückes war László Béres. Der Pianist András Szép, der für die Musikbegleitung sorgte, trat hie und da in das Spiel ein, und dies passte sehr gut in die natürlich und selbstverständlich erscheinende Spielart, die die gesamte Aufführung kennzeichnete.

Die Schauspielerin jüdischer Abstammung Lola Blau  lebt in Wien. Ihrem Leben, ihrer Karriere  wird ein jähes Ende bereitet. Ihr Schicksal ist ein typisches Emigrantenschicksal im Zweiten Weltkrieg.  In der Hoffnung auf ein lebenswerteres Leben flieht sie vor den Gräueln des Krieges von Österreich zunächst in die Schweiz, dann in die Vereinigten Staaten. Sie sehnt sich nach dem Theater, kommt aber nur bis zu den nächtlichen Kabarettbühnen, dann wird sie erfolgreich und zu einem Sex-Symbol. Nach dem Krieg heimgekehrt wird sie damit konfrontiert, dass ihr Vaterland sie nicht mehr braucht.

Boróka Bartha  ist es nach ihren Auftritten in Siebenbürgen auch in Wien ausgezeichnet gelungen, die Rolle der für das Überleben und etwas Glück kämpfenden Schauspielerin, Kabarett-Sängerin und des Revue-Stars zu verkörpern. (András Smuk)

 

 

  1. Zwischen dem 24. und 28. September besuchten wir ungarische Gedenkstätten in Montenegro und Albanien.

Die Landschaft um die Bucht von Kotor ist faszinierend, wie die Stadt Kotor selbst mit ihren schönen, alten Stadtmauern und  krummen Gässchen. Aber auch die übrigen Städtchen (Perast, Herzeg  Novi, wo wir  – erneut in einem ungarischen Danubius-Hotel übernachteten) sind es wert, besichtigt zu werden.

Wir gedachten der Kämpfe  auf dem Berg Lovcen im Ersten Weltkrieg und des Matrosenaufstandes von Kotor (Cattaro). An drei Stellen haben wir Kränze niedergelegt  und den gefallenen Vorfahren unsere Ehre erwiesen: an der Gedenkstätte der einst dort beerdigten Matrosen im Friedhof Savina; in der albanischen Stadt Kruje,  im Museum des Skander Beg an der Gedenkstätte von János Hunyadi und seiner Kameraden; zum Schluss in der Nähe der Stelle in der Bucht von Kotor, wo das Kreuzer  Zenta  sank. Wir waren in der Stadt  Budva, dann in Cetinje,  in der kleinen Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Montenegro, wo wir das im königlichen Palais eingerichtete Museum besichtigten. Man kann allerdings nicht alle Erlebnisse aufzählen,  die uns zuteil wurden.

Wir waren im Dorf Zelenika im Hotel der Familie Magyar, die noch während der Monarchie nach Montenegro zog, sowie an der Meeresküste; die der vierten Generation angehörende Tochter Enikő Magyar-Bajkovic, die fehlerfrei ungarisch spricht, war unsere großartige Fremdenführerin.

Am letzten Tag machten wir eine Schifffahrt auf dem See Skodra – zwischen Wasserlilien, Vögeln und im Schilf. Von dort ging es dann zum Flughafen Podgoriza, wo wir um sehr viele Erlebnisse reicher den Heimflug antraten. (Péter Szőke)

 

 

  1. Am 9. Oktober nahmen sehr viele an der mit dem Balassi Institut (Collegium Hungaricum) gemeinsam abgehaltenen Veranstaltung teil. Der Vortrag der Kunsthistorikerin Univ.Prof.Dr. Mária Prokopp  („Die Achtung vor dem Heiligen Stephan und seinem Andenken in Europa“) war ursprünglich als der Auftakt zur Enthüllung der in Bad Deutsch-Altenburg geplanten St.Stephan-Skulptur gedacht. Wegen finanzieller  Probleme (Unterstützung)  konnten die Mitglieder des „Europa”-Clubs zunächst nur die Gipskopie der Skulptur kennenlernen. Das war der Auslöser praktisch dafür, dass unsere Spendenaktion begann.

Mária Prokopp stellte mit einer Jugendliche beschämenden Vitalität den Lebensweg unseres Staatsgründers König Stephan bzw. die bis heute in ganz Europa nachweisbare Achtung und Erinnerung an ihn dar.

König St.Stephan steht in der Reihe der ungarischen Heiligen an erster Stelle. Unser apostolischer heiliger König hatte Ungarn als souveränen, unabhängigen Staat geschaffen, er führte die Ungarn in die Gemeinschaft christlicher Völker, wobei Position und Weg des Landes im christlichen Europa bestimmt wurde. In den 41 Jahren seiner Herrschaft schuf er das Königreich Ungarn, was bedeutete, dass er bei den damaligen europäischen Herrschern großes Ansehen und hohe Anerkennung erwarb. Zentrum dieser gewaltigen Tätigkeit der Staatsorganisation und der Innen- und Außenpolitik war das Palais-Ensemble auf dem Burgberg von Esztergom. Mária Prokopp wies auf all dies mit einem positiven Herangehen hin. (Béla Koleszár )

 

  1. Am 23. Oktober stand eine Festveranstaltung zu Ehren der Revolution 1956 auf dem Programm. In der Organisation des „Europa”-Clubs hielten wir eine gemeinsame Gedenkfeier mit den Mitgliedsvereinen des Runden Tisches der Ungarischen Organisationen in Österreich ab, wo Gesandter Dr. Gábor Hajas die Festrede hielt. Lajos Gubcsi, der den Preis Ex Libris gestiftet hatte, überreichte bei dieser Gelegenheit dem Franz-Liszt-Chor seine Anerkennung. Dieser Preis wird denen verliehen, die die ungarische Kultur und die ungarischen Traditionen pflegen, schützen und verbreiten. Anschließend gab der Chor ein kurzes Programm.

Als nächstes traten zwei Schauspielerinnen aus Neumarkt/Marosvásárhely/Tirgu Mures, Ilka Kilyén, Trägerin des Preises Ungarisches Erbe, und Ilka Krisztina Ritziu, sowie der Solotänzer des Volkstanzensembles Bekecs, Zoltán Mészáros, auf. Als in bester Harmonie wirkendes Trio stellten sie mit Gesang, Tanz, Prosa und schauspielerischem Können die Missstände  der Willkürherrschaft dar und hoben die wahrhaft menschlichen Werte hervor. (Béla Koleszár)

 

  1. Am 26. Oktober  kam es in Jánossomorja zu einer feierlichen Kranzniederlegung am Speerholz, das vor einigen Jahren auf die Initiative des „Europa”-Clubs am Stadtrand entlang der Straße nach Andau aufgestellt wurde. Aus Wien kamen die gedenkenden Ungarn und die Mitglieder des Franz-Liszt-Chors mit dem Bus, letztere machten den Nachmittag mit ihrem Auftritt denkwürdig. Begleitet mit Märschen der örtlichen Bläser  stiegen sie aus dem Bus, um sich den Örtlichen anzuschließen und die Grußworte von Frau Klára Fördös Lacknerné, Vorsitzende der Stiftung für die Kultur von Jánossomorja, des ungarischen Gesandten in Wien Dr. Gábor Hajas und des Bürgermeisters György Lőrincz  zu hören.

Dr. Csaba Szabó, stellvertretender Direktor für Wissenschaft im Collegium Hungaricum würdigte in seiner Festrede die Daheimgebliebenen, die im Interesse des Überlebens die Vergeltung und das lange Jahre andauernde Leiden gewählt hatten.  Nachdem die Feiernden die szeklerische und die ungarische Nationalhymne gesungen hatten, fuhr die Leitung des „Europa”-Clubs  weiter nach Mosonmagyaróvár,  wo sie sich vor dem Andenken der Opfer  des Salvenfeuers der Stadt auf dem Platz der Trauer  verneigte.  (József Tarjányi)

 

 

  1. Am Samstag, den 8. November  fanden um  15.00 Uhr in Bad Deutsch-Altenburg nunmehr das 10. Mal die ökumenische Gebetsstunde in der Marienkirche im Friedhof und die Kranzniederlegung an der seit 1959 gepflegten symbolischen Grabstätte der Flüchtlinge 1956 statt. Bekanntlich wurde die erste Kirche der Ortschaft, auf deren Fundament die heutige Marienkirche steht, im Jahre 1028 von unserem ersten König, St. Stephan,  gegründet. Die Teilnehmer der Feierlichkeit kamen aus drei Richtungen: aus dem Mutterland, dem Oberland, d.h. der Slowakei, und aus Wien. Der „Europa”-Club hat sich vorgenommen, am Eingang der Kirche zu Ehren des Gründerkönigs eine Büste aufzustellen. Die Gipskopie der Büste, eine Arbeit des Bildhauerkünstlers László Hunyadi, Träger des Preises Ungarisches Erbe,  stand während der Gebetsstunde vor dem Chor.  Vorsitzender Dr. András Smuk ersuchte die Teilnehmer, durch ihre Spenden zur Realisierung des edlen Planes beizutragen.

Nach den Begrüßungen des örtlichen Pfarrers und des Vizebürgermeisters zelebrierten drei Geistliche (der evangelischen, der reformierten und der katholischen Kirche) die Zeremonie der ökumenischen Gebetsstunde.  Gast des Ereignisses war Pater Imre Kozma,  Mönch des Barmherzigen Ordens, Gründer des Ungarischen Malteserordens. An der Gebetsstunde und der anschließenden Kranzniederlegung wirkten der Chor Híd (Brücke) aus Somorja unter Leitung von Anna Hecht unddie Volksliedersängerin Anna Csizmadia aus Kupsina, Siegerin des Talentenwettbewerbs 2012 Fölszállott a páva, mit.

Nach der Kranzniederlegung wurden die Teilnehmer aus drei Ländern bei einem Empfang im Theatersaal des Heilbades Deutsch-Altenburg von der ungarischen Botschaft in Wien bewirtet. (Tarjányi József)

 

  1. Der Nikolaus-Abend und der Auftritt der Csík-Band –  ein gemeinsames Programm von  AMAPED und dem „Europa”-Club war eine der erfolgreichsten ungarischen Veranstaltungen des Jahres   2014 in Österreich.  Das Konzert der Csík-Band, die im heutigen ungarischen Musikleben zu den „Stargruppen“ gehört, begann um 19.00 Uhr. Zu dieser Vorstellung mit Eintrittspreis waren sehr viele Karten bereits im Vorverkauf vergriffen. Viele Besucher mit Tickets waren bereits beim Kinderprogramm ab 16.00 Uhr dabei, das die Csip-Csirip-Bühne der Grundschule für Kunst aus Alistal (Oberland/Slowakei) darbot. Anschließend kam der Nikolaus, der jedes anwesende Kind beschenkte. Als Moderatorin  führte Szilvia Mentsik das Publikum durch den Abend, die sowohl im Namen von AMAPED, als auch vom „Europa”-Club  das Publikum begrüßte. Dem Abend wohnten  unter anderen Gesandter Dr. Gábor Hajas, István Radda (Club Pannonia), Árpád Édes, reformierter Geistlicher aus Alistál, sowie die Mitglieder der Leitung des  „Europa”-Clubs  usw.  bei.

Während des Programms konnte man im nächsten Raum bei einem Benefiz-Markt (zu Gunsten von AMAPED)  niveauvolle Produkte der Volkskunst und sonstige Waren, Bücher und CDs kaufen. Das Konzert der Csík-Band  war ein Riesenerfolg, das Publikum quittierte ihr Programm mit einem stürmischen Applaus. Am Ende des Konzerts signierten die Künstler ihre CDs.  (Béla Koleszár)

 

 

  1. Am 14. Dezember  luden wir die Interessenten – gemeinsam mit dem Ungarischen Reformierten Seelsorgerdienst in Österreich nunmehr seit fünf Jahren – zu einem Gottesdienst und anschließenden Adventskonzert ein.  Dank der seither entwickelten freundschaftlichen Zusammenarbeit folgen unserer Einladung immer mehr Menschen, diesmal waren es mehrere hundert. Die Zuhörer (etwa 200 Personen) in der völlig überfüllten reformierten Kirche in der Innenstadt konnten als erstes das Programm des  Violoncello-Trios (Anna Wolf, Csaba Bornemisza und Attila Bornemisza), dann das Adventprogramm des Kammerchors Canto Excolo aus Jánossomorja  genießen.

Es hat uns sehr gefreut, dass uns der vor kurzem ernannte Botschafter Ungarns in Wien,  Dr. János Perényi die Ehre erwies und an unserer Veranstaltung teilnahm.

Ohne Übertreibung können wir feststellen, dass der „Europa”-Club ein äußerst reiches Jahr hinter sich lässt. Es genügt, hier auf die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Bestehens des Vereins hinzuweisen. Über all diese Veranstaltungen wurden Aufnahmen gemacht, die auf der Web-Site des „Europa”-Clubs (www.europaclub.at) zu besichtigen sind. (András Smuk)

 

Die Leitung des „Europa”-Clubs

 

Wien, Januar 2015